Freitag, 25. Mai 2012

♠ Epicordia

Autor: Thilo Corzilius
Titel: Epicordia
Verlag: Piper
Erscheinungsort und -jahr: München, Juni 2012
Seitenzahl: 413
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-492-26863-9
Inhalt: Zwei Jahre sind vergangen, seit Lara McLane bei dem Schlüsselmacher Tom Truska in die Lehre ging und seitdem Zugang zu der magischen Stadt Ravinia hat. Das Mädchen hat seitdem enorme Fortschritte gemacht und gelernt, wie man selbst Schlüssel anfertigt, die an einen beliebigen Ort der Welt führen. Nur einen Ort gibt es, der nicht zugänglich ist, und von dem Lara noch nie etwas gehört hat: Epicordia, die Stadt des Mondvolkes unter Ravinia. Die sonnenempfindlichen Wesen sind mit Ravinias Bewohnern verfeindet, doch nun haben sie ein Problem, das die Hilfe der begabten Mechaniker bedarf: In ihren Tunneln haben sich mechanische Wesen eingenistet, die ein Durchkommen unmöglich machen. Mit einer Sondergenehmigung ist es Lara, Tom, der Nachtwächterin Geneva und einer Kommissarin erlaubt Epicordia zu betreten, doch dort stoßen sie auf so viel Ablehnung und Vorurteile, dass eine Zusammenarbeit unmöglich scheint. Dabei deuten die Zeichen darauf hin, dass die mechanischen Wesen nur von einem Mann hergestellt worden sein könnten: Ruben Goldstein, der brilliante Handlanger von Robert Winter, der einst ganz Ravinia in Angst und Schrecken versetzte. Kehrt der mächtige Tyrann etwa wieder zurück? Das herauszufinden ist die Aufgabe von Lara und ihren Freunden.


Kritik: Epicordia ist der Folgeband des 2011 erschienen Romans Ravinia. Wer sich dessen Rezension ansieht, der wird feststellen, dass ich an dem ersten Buch einiges auszusetzen hatte. Vor allem waren es die so eindeutigen Bezüge zu Neil Gaiman und Christoph Marzi, die mich so kritisch haben werden lassen (nicht umsonst habe ich gefragt, ob Ravinia "Fake oder Fiction" ist).
Aus diesem Grund war ich umso gespannter, wie der Herr Corzilius seinen zweiten Roman angehen würde. Sein Schreibstil, den ich immer noch als deutliche Anlehnung an dem von Marzi bezeichne und in dem ich wenig Innovation bzw. eigenen Charakter erkennen kann, ist gleich geblieben. Man muss aber dazu sagen, dass Corzilius spezielle Themen immer wieder aufgreift und konsequent bis zum Ende durchspielt, so z.B. den Herbstregen und den Sturm, die als Metaphern für die Gefühlswelt der Protagonisten stehen. Dies verleiht dem Roman eine gewisse Stringenz und führt zu einem kontinuierlichem Lesefluss.
Inhaltlich ist das Buch spannend und abwechslungsreich gestaltet. Ein Minus allerdings ist bei den Charakteren zu verbuchen: Es sind meines Erachtens zu viele. Gerade wenn Nebenfiguren, die auch schon in Ravinia beschrieben wurden, wieder auftauchen, dann sollten sie noch einmal erklärt werden. Woher kommen sie, was haben sie getan und wieso tauchen sie wieder auf? Gerade, wenn zwischen der ersten und der zweiten Lektüre 1 Jahr vergangen ist, denn fällt es schwer sofort die Bezüge wiederherzustellen. Ein oder zwei Figuren hätte man durchaus aus der Handlung streichen können (zumal sie später gar nicht mehr auftauchen und man sich fragt, wieso sie überhaupt erwähnt wurden), ohne dass es aufgefallen wäre. Weniger wäre in diesem Falle mehr gewesen.

Samstag, 19. Mai 2012

♠ Wolf Shadow 2: Magische Versuchung (Mortal Danger)

Autor: Eileen Wilks
Titel: Wolf Shadow 2: Magische Versuchung
Verlag: LYX
Erscheinungsort und -jahr: Köln, Juni 2009
Seitenzahl: 474
Preis: 9,95 €
ISBN: 978-3-8025-8217-2
Inhalt: Lily und Rule sind zwar nun ein Paar, aber so richtig kann sich die frische FBI Ermittlerin noch nicht damit abfinden, dass sie nun Mitglied des Lupi-Clans sein soll. Doch derlei Überlegungen über ihren Beziehungsstatus treten erst einmal in den Hintergrund, als sie glaubt, die eigentlich tote Helen auf der Hochzeit ihrer Schwester zu sehen. Als sie dieser in die Damentoilette folgt, wird sie ohnmächtig - und als sie aufwacht, liegt dämonische Magie auf ihr. Um sicherzugehen, dass sie nicht besessen ist, ziehen sie Netty, die spirituelle Heilerin des Lupi-Clans zur Rate und diese kann Entwarnung geben. Doch Lily kann nicht leugnen, dass sie noch wie vor etwas Fremdes an sich spürt und bei einem Angriff des Sektenführers Harlowe, reißt ein Dämon sie und Rule in das Dis - die Hölle. Von nun an beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Lilys Seele könnte sterben, sollte sie sich zu lange an diesem menschenfeindlichen Ort aufhalten. Nun wird sich zeigen, ob die Menschen, denen sie vertraut, und diejenigen sind, die ihr Leben für ihre Rettung riskieren.


Kritik: Zwischen dem Lesen des zweiten Bands von Eileen Wilks Wolf Shadow - Reihe und dem ersten, Verlockende Gefahr, liegt einige Zeit dazwischen, aber dennoch konnte ich ohne Probleme an den Vorgänger anknüpfen. Die Geschichte ist so geschrieben, dass sowohl ein wenig von den vorherigen Ereignissen wiederholt wird, aber dies gleichzeitig nicht zu sehr ausartet, als das man sich langweilen würde. An den Figuren hat sich wenig verändert, sie sind einem sofort wieder vertraut. Dennoch hatte ich einige Probleme, mich so richtig von der Story fesseln zu lassen. Ich habe das Buch immer mal wieder weg gelegt und stattdessen etwas anderes gelesen, vielleicht war das auch der Fehler- ich hätte konsequenter sein müssen. Das Buch hat einige Verläufe, die ich sehr interessant fand, z.B. die Schilderung der Hölle. Andere Dinge haben mich allerdings auch wieder gestört, so vor allem die langatmigen, komplizierten Erklärungen über Magie, Dämonen, Höllentore etc. Irgendwie liest man darüber hinweg und versteht nur die Hälfte. Und so kommt es, dass man manchen Dingen nicht so recht folgen kann. Vielleicht war ich aber auch einfach nicht richtig 'dabei'... ein fehlgeschlagenes Lesen, wenn man es so ausdrücken will.
Was mir gerade eben noch aufgefallen ist, ist die Übersetzung des Untertitels: Im Englischen heißt er Mortal Danger, was vor allem die Spannung des Romans betont, wie ich finde. Wenn man im Deutschen hingegen Magische Versuchung liest, dann springt einem vor allem der erotische Faktor ins Auge - und dieser ist in diesem Band überhaupt nicht im Vordergrund. 

Dienstag, 8. Mai 2012

! Kleine Pause

die schatten der eichen, die schatten der buchen
eine kleine handtasche auf dem schoß
der rock ist haarig warm
leise kariert
blasse oberschenkel
auf der feuchten holzhaut der bank im park
sitzt eine frau
wie ein siebenundzwanzigster buchstabe
der monat mai verläuft sich, seine drei farben sind noch
nicht miteinander gemischt
in der pause werden manche leser geschwätzig, andere
einsam
jede bank erkennt nur eine dichterin
zwischen dem portemonnaie und dem reisepass werden
die vulkanische asche und eine hand voll insekten
festgehalten

3. Strophe des Gedichts 'die letzte pause in einem poesiefestival'
von Yoko Tawada

Freitag, 20. April 2012

! Umfrage zum Thema "Junge LeserInnen und Serienwerke" v. C. Mandl

Ich wurde gebeten, folgende Fragen für eine Proseminararbeit zu beantworten und mache das auch gleich mal ;)
  1. Liest du eher Serienwerke oder Einzelbände? Und warum?
    • Einzelbände. Die bleiben mir besser in Erinnerung, weil man ja oft zwischen manchen Bänden doch sehr lange wartet und wieder etwas anderes liest... dann verwischt die Erinnerung.
  2. Welche Art von Literatur ließt du am Liebsten? 
    •  Urban Fantasy, Mystery und Gemischtes.
  3. Hast du eines der folgenden Werke gelesen (kann auch nur ein Band sein)?
    Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
        Joanne K. Rowling - Harry Potter
        Suzanne Collins - Die Tribute von Panem
        Kerstin Gier- Die Edelstein-Trilogie
        Cornelia Funke - Die Tintenherz-Trilogie
        Stephenie Meyer - Die Bis(s)zum...-Serie
    •  Harry Potter hat mich meine ganzen Teenagerjahre über begleitet. Kreative Ideen und toller Schreibstil -was will man mehr?
      Die Tribute von Panem gingen irgendwie an mir vorbei... auch wenn ich vorhabe, sie noch zu lessen. Nicht, weil mich das Thema interessiert, sondern weil halt jeder drüber redet.
      Kerstin Giers Edelsteintrilogie habe ich ebenfalls nicht gelesen. Die Geschichte wirkte auf mich einfach zu 'jung', auch wenn ich die Autorin von anderen Romanen her kenne und schätze.
      Bei Tintenherz blieb ich beim 1. Band. Ich fand die Geschichte toll und sie hat mir genügt, ich hatte einfach nicht das Bedürfnis mehr zu lesen.
      Von Stephenie Meyer habe ich den 1. und 2. Band der Biss...-Reihe gelesen. Den 1. Band noch bevor der ganze Hype begann, und ich fand ihn gut. Der 2. hat mir dann gar nicht mehr gefallen und das Thema war für mich gegessen.
 Und wir sehen jetzt einfach mal drüber hinweg, dass ich mich nicht mehr als "junge Leserin" bezeichne *lach*

Samstag, 14. April 2012

! Seit langem mal wieder

Da derzeit keine Rezis bei mir eintrudeln, gönnte ich mir heute bei einem Stadtbummel einen Blick in Joker's Restseller und bin gleich mit 2 Eroberungen wieder hinaus stolziert. 
Eigentlich sollten es 3 Bücher werden, aber ich musste dank schmalem Portemonnaie Abstriche machen... leider. 
Beim Roman "Kleine Kannibalen" habe ich mich einfach von meinen positiven Leseerfahrungen über den Autor Torsten Krol leiten lassen. Callisto oder die Kunst des Rasenmähens hat mir dermaßen gut gefallen, dass ich hoffe, dass dieser Roman auch so unterhaltsam ist. Und wer kennt ihn nicht? Alexander McCall Smith, den ich in meinem Leben zuerst auf Englisch in der Schule lesen sollte... der erste Fall von Mma Ramotswe ;) Der Titel hat mir einfach gut gefallen, das Setting ist in Edinburgh und ich meine mich zu erinnern, dass McCall Smith auch gut schreibt. Wir ihr seht, wurden diese Bücher weniger nach Inhalten ausgewählt, sondern vielmehr nach Erfahrungen und Hintergrundwissen. Damit ihr aber nicht ganz uninformiert bleibt, folgen kurz die Klappentexte.

Kleine KannibalenDer 16-jährige Erich reist 1946 mit seiner Mutter Helga und seinem 12-jährigen Bruder Zeppi in den Amazonas. Deutschland hat den Krieg verloren, der Vater ist gefallen. In Venezuela wartet Onkel Klaus, ein Arzt und gesuchter Nazi, mit dem sie ein neues Leben beginnen wollen.
Nach einer schnellen Trauung besteigen sie ein Flugzeug, das sie zu Klaus' Arbeitsstelle bringen soll. Aber ein Gewitter zwingt sie mitten im Dschungel zur Notlandung.

Schottische Katzen kennen den Weg. Wohlhabend, attraktiv, liebenswert - und dennoch einsam: Isabel Dalhousie weiß einiges über Sehnsüchte zu erzählen. Doch anstatt ihr eigenes Glück zu suchen, fühlt sich die Philosophin dem ihrer Mitmenschen verpflichtet. In einer Stadt wie Edinburgh scheint es den Katzen vorbehalten zu sein, moralische Zwickmühlen und emotionales Chaos zu vermeiden. Isabel gelingt das nicht, und so hat sie sich schnell in einem Wollknäul aus widerstreitender Gefühle verheddert.

Auf auf, ich habe nach fast 2monatiger Pause einiges aufzuholen...


Mittwoch, 11. April 2012

! Wie das Leben so spielt


Manche Bücher begegnen einem immer wieder im Leben. In meinem Fall ist es Sven Regeners Herr Lehmann, der schon zu unterschiedlichsten Situationen immer wieder aus meinem Schrank gekrochen kam und Aufmerksamkeit einforderte. Ich schrieb in der Oberstufe sogar einmal eine Klausur über den Protagonisten Frank Lehmann, und analysierte seinen Charakter, seine Wertvorstellungen und sein Lebensumfeld. Und jetzt, in den letzten beiden Monaten, griff ich schon wieder nach dem Roman, und zwar für eine Hausarbeit zum Kulturthema "Arbeit", allerdings nur als kleinen Exkurs. Das eigentliche Werk, mit dem ich arbeitete, ist von Karen Duve und heißt Taxi und während ich es las, entdeckte ich viele Parallelen zu Herr Lehmann, die ich jetzt alle in eine wissenschaftliche Form gequetscht habe :) Ja, die lieben Hausarbeiten... über den Wert der von mir fabrizierten Arbeit gibt es noch kein offizielles Urteil, sie befindet sich noch in der Korrektur.
Worüber ich aber eigentlich sprechen wollte, ist dieses Phänomen, dass manche Bücher irgendwie im Leben immer wieder auftauchen und selbst in vollkommen anderen Kontexten herangezogen werden können. Ich schrieb in meiner Hausarbeit über die Karen Duves Hauptfigur Alex, die sich für das Taxifahren entschieden hat, weil sie andere Jobs als langweilig und eintönig abstempelt. Sie flieht aus einem -ihrer Meinung nach- fest gesponnenen Netz aus spießigen Vorstellungen von Werten, Arbeitszeiten, Gehältern und Hierarchien und meint, dass Taxifahren etwas vollkommen anderes ist. Natürlich entwickelt sich alles ganz anders, aber ich will ja nicht spoilern ;) Frank Lehmann hingegen lebt in seiner kleinen Welt, klar umgrenzt durch Kneipen, Straßen und Bezirken, in denen er lebt, arbeitet und sich amüsiert. Frank ist mit seinem Leben zufrieden, denn er stellt keine Ansprüche daran.
Was ist gegen eine Arbeit zu sagen, die darin besteht, den Leuten etwas zu bieten, was sie gern haben? Lebensinhalt! Vielleicht sind die Leute hinterm Tresen die einzigen, die so was wie Lebensinhalt geben. Vielleicht füllen wir ja den Lebensinhalt in die Leute rein, Mund auf, Lebensinhalt rein, fertig. (Herr Lehmann)
 Und obwohl ich nur nach Textpassagen suche, um meine aufgestellten Thesen zu untermauern, so bleibe ich dann hier und dort wieder an den Seiten kleben und lese... und lese weiter. Dass man beim wiederholten Lesen immer neue Eindrücke vom Werk hat, ist dem Prozess des Verstehens (Hermeneutik) zuzuschreiben: Man liest ein Buch 3x oder 4x und jedes Mal liest man es mit einem anderen Hintergrundwissen und mit einer anderen Erwartungshaltung. Ich möchte Herr Lehmann oder Taxi lesen, weil ich nach Indizien dafür suche, dass beide Figuren aufgrund ihrer gegensätzlichen, inneren Einstellung auch ganz anders mit dem Thema Arbeit umgehen, also lese ich anders, als würde ich die Bücher zur Hand nehmen, um mal wieder unterhalten zu werden. So entdecke ich auch immer wieder Neues und gerade das ist doch das Schöne am Lesen: Überraschungen lassen sich sogar zwischen Seiten finden, die man schon meint entdeckt zu haben.

Dienstag, 10. April 2012

♠ In Wahrheit wird viel mehr gelogen

Autor: Kerstin Gier
Titel: In Wahrheit wird viel mehr gelogen
Verlag: Lübbe
Erscheinungsort und -jahr: Bergisch Gladbach, 2009
Seitenzahl: 269
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-7857-6014-7
Inhalt: Carolins große Liebe Karl ist gerade gestorben und für die Sechsundzwanzigjährige beginnt der Abstieg in ein tiefes dunkles Trauerloch. Kaum jemand versteht, wie sehr sie an dem Mann gehangen hat, der nicht nur 20 Jahre älter als sie war, sondern auch noch der Vater ihres Exfreundes. Mit einem IQ von 158 fiel es der begabten Frau nie leicht Freunde zu finden, und so ist sie auf ihre Familie angewiesen, bei der sie wieder einzieht. Leider entpuppt sich der Tod ihres Mannes nicht nur als seelischer Verlust, sondern auch als ein unschöner Rechtsstreit, denn angeblich soll Karl in Besitz vieler wertvoller Gegenstände sein, um die sich jetzt seine Kinder und sein raffgieriger Bruder streiten. Insgeheim fragt sich Carolin, ob sie Karl eigentlich richtig kannte, denn wieso wusste sie nichts von all seinem Besitz? Und so beginnt nicht nur der Kampf um das liebe Geld, sondern auch der um den Aufstieg aus der Trauer, bei der ihr ein charmanter Apotheker, ihre verrückte Familie und eine vollkommen unprofessionelle Therapeutin hilft.


Kritik: Mit dem bekannt-erfrischendem Schreibstil von Kerstin Gier beginnt Carolins Geschichte, die mal zum Lachen und mal zum Mitweinen ist. Mit selbstironischen Bemerkungen schildert die überaus intelligente Protagonistin, wie sie mit dem Schmerz und dem Loch in ihrem Herzen zurechtkommt, und welche Höhen und Tiefen sie in ihrem Leben schon durchgestanden hat. Gerade weil sie ihre Mitmenschen schnell durchschaut, ist es überaus amüsant ihre Beschreibungen und inneren Gedanken mitzuverfolgen.
Wer andere Romane von Kerstin Gier gelesen hat, der wird einige Figuren  aus der Mütter-Mafia wiedererkennen, doch versteht man die Handlung auch ohne dieses Hintergrundwissen. In Wahrheit wird viel mehr gelogen ist ein kurzweiliges, aber sehr amüsantes und auch zum Nachdenken anregendes Buch, das schildert, wie sich ein Mensch aus einer schweren Situation wieder ans Tageslicht kämpft. Ein Lesegenuss und Balsam für die Seele.

Mittwoch, 21. März 2012

! Bücher? Ich reise lieber...

Wow, wie die Zeit vergeht!
Seit das Semester vorbei ist sitze ich an meinen Hausarbeiten und bin noch nicht fertig. Das frisst absolut die Lust am Lesen, ich kann kein geschriebenes Wort mehr aufnehmen. Zur Ablenkung (und natürlich absolut schlecht getimet) war ich zwischendurch in Irland.
Es wird wohl noch etwas dauern, bis ich wieder einen Roman in die Hand nehme, aber bis dahin versorge ich euch mit ein paar Fotos von der grünen Insel ^^

Altes Steinhaus ohne Dach (früher Reetdach)

An Galways Küste

Die Cliffs of Moher

Altes keltisches Kreuz, ca. 9. Jh.

Lough Dan (wenn mich nicht alles täuscht); aufgrund des braunen Wassers (Torf) auch gerne "Guinnes Lake" genannt ;)

Donnerstag, 16. Februar 2012

♠ Lucy

Autor: Laurence Gonzales
Titel: Lucy
Verlag: dtv
Erscheinungsort und -jahr: München, Dezember 2011
Seitenzahl: 430
Preis: 14,90 €
ISBN: 978-3-423-24890-7
Begonnen zu lesen: 10.02.12
Beendet: 16.02.12


Inhalt: Jenny Lowe ist Verhaltensforscherin für Bonobos und arbeitete viele Jahre mitten im Kongo. Doch dann schwappt der Bürgerkrieg bis in den Dschungel und sie muss fliehen. Dabei kommt sie an den 15km entfernten Beobachtungsposten von Dr. Donald Stone vorbei, von dem sie nur weiß, dass auch er die Bonobos erforscht. Was sie vorfindet ist eine vollkommen zerstörte Hütte, Dr. Stones Leiche und einen Teenager, das die Arme um einen ebenfalls erschossenen Bonobo geschlungen hat. Geistesgegenwärtig schnappt sich Jenny ein paar Notizbücher, ein Foto von dem Forscher und seiner Tochter und nimmt das Mädchen mit sich. Ihnen beiden gelingt die Ausreise mit Hilfe eines alten Botschafter-Freundes, der dem Mädchen -Lucy- einen Pass besorgt.
In den USA angekommen fallen Jenny lauter Merkwürdigkeiten an dem Mädchen auf, die sie sich allerdings mit ihrem Leben im Dschungel erklärt. Schnelle Reflexe, eine gesteigerte Sinneswahrnehmung und das Sprechen mit Tieren. Dennoch ist Lucy trotz ihres Verlustes sehr aufgeschlossen und liebenswürdig. Niemals wäre Jenny auf die Wahrheit gekommen, wenn sie nicht die Notizbücher von Dr. Stone mitgenommen hätte. Dieser berichtete von einem Genexperiment, die Kreuzung aus Menschenaffen und Menschen - mit Lucy als lebenden Beweis, das dies möglich ist. 

Kritik: Dieser Roman fesselt ab der ersten Seite. Die gefährliche Flucht vor den kongolesischen Milizen, die traumatische Erfahrung eines Mädchens und dann die Entdeckung ihrer Besonderheit. Gonzales baut einen Spannungsbogen auf, der kein einziges Mal im Verlauf der Geschichte zu kippen droht. Mit einfacher, aber sehr direkter und irgendwie unverfälschten Sprache schildert er das Leben eines Mädchens, das ihren Platz im Leben sucht.
Obwohl es zwischendurch den Anschein hat, dass Lucy ihr neues Leben unter den Menschen gefunden hat, ahnt man doch, dass der Roman noch einige (böse) Überraschungen auf Lager hat, sodass man ständig angespannt ist. Wer bei der Hälfte des Buches angekommen ist, der kann es nicht mehr weglegen. Die Figuren sind lebensnah und natürlich gezeichnet und Lucy ist eindeutig eine Sympathieträgerin. Bemerkenswert sind vor allem die vielen Fragen, die der Autor sozialkritisch aufwirft. Kann ein Hybrid-Mensch menschlicher als wir sein, wenn dieser an das Gute und an das Leben an sich glaubt? Wo befindet sich die Grenze zwischen Mensch und Tier? Haben wir mit unserem Menschsein die Beziehung zur Natur eingebüßt?
Ich gebe dem Roman die volle Bewertungszahl, er ist einfach ein MUSS!

Dienstag, 7. Februar 2012

♠ Der Krähenturm

Autor: Kerstin Pflieger
Titel: Der Krähenturm
Verlag: Goldmann
Erscheinungsort und -jahr: München, Januar 2012
Seitenzahl: 472
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-3-442-47679-4
Begonnen zu lesen: 24.01.12
Beendet: 06.02.12
Inhalt: Just seinen ersten, gefährlichen Auftrag im Namen des Ordo occulto hinter sich, soll der junge Gelehrte Icherios Ceihn auch schon wieder zur Kanzlei in Karlsruhe, um seinen neuen Auftrag entgegen zu nehmen. Doch statt eine gefährlichen Reise wartet ein Medizinstudium in Heidelberg auf ihn. Davon hatte er schon immer geträumt! Die Bedenken seines Mentors Raban, ein Vampir, teilt er nicht; Dieser weist ihn eindrücklich darauf hin, dass Icherios zur Andreasnacht zurück nach Karlsruhe muss, denn in dieser Nacht wird der Strigoi in ihm wach, der Menschenfresser. Doch so ganz unbeschwert kann er die Fahrt nicht auf sich nehmen, denn man weist ihn ebenfalls darauf hin, dass dem Leiter des Ordens in Heidelberg nicht zu trauen sei. Wird Icherios nur als Spion missbraucht? In der neuen Stadt angekommen kann das leichte Studentenleben nicht davon ablenken, dass die Spuren seines ermordeten Freundes den selben Weg gegangen waren, wie Icherios. Konnte er überhaupt jemanden trauen? Da Situation wird nicht unbedingt leichter, als er spührt, wie der Strigoi in ihm langsam hungrig wird...

Kritik: Nachdem ich den ersten Band Die Alchemie der Unsterblichkeit trotz einiger Schwächen sehr erfrischend und inspirativ fand, war ich sehr gespannt, was mich im zweiten Teil erwartete. Zuallererst fiel auf, dass der Nachfolger etwas dicker war. Auch bedient sich die Autorin einiger anderer Erzähltechniken, so verfolgt man nicht nur das Geschehen um Icherios, sondern auch das von anderen Figuren. Diese Art des Erzählens gestaltet den Roman komplexer und facettenreicher. Generell finden mehr tragendere Figuren Eingang in die Handlung und mehr Stränge werden aufgenommen, die lange Zeit mit den anderen nichts zu tun zu haben scheinen. Schließlich wird nach und nach ein vielschichtiges Gewebe geknüpft, das die Spannung ziemlich anheizt.
Wenn der Schwarzwald als Schauplatz schon düster und unheimlich war, so sind nach es Pfliegers Schilderungen die Straßen und Häuser von Heidelberg allemal. Wer zart besaitet ist, der sollte einige Szenen vielleicht überspringen oder sich einfach in eine schützende Wolldecke kuscheln, denn es geht an einigen Stellen recht brutal zu. Man kann gut und gerne behaupten, dass sich die Autorin in Sachen Spannungsaufbau und geheimnisvollen Andeutungen gebessert hat. Im Gegensatz zum ersten Band bleibt viel länger offen, wer Drahtzieher der ganzen Geschehnisse ist. Was allerdings noch ausbaufähig ist, ist das Ende: Auch in Der Krähenturm folgt es wie eine Sequenz des schnell-Abhandelns, wodurch es seine Ernsthaftigkeit ein wenig einbüßt.
Aber ansonsten ein schauriges Lesevergnügen, das die Nerven an einigen Stellen hart auf die Probe stellt.